Ich bleibe hier

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Catherine Ryan Hyde schreibt in ihrem neuen Roman „Ich bleibe hier“ über das Lebens des neunjährigen Mädchens Grace, das mit seiner drogensüchtigen Mutter zusammenwohnt. Das Buch beschreibt aber auch das Leben von „Billy Shine“, einem Ex-Tänzers mit Agoraphobie, der im gleichen Haus wie Grace lebt. Die Geschichte wird abwechselnd von Billy und Grace erzählt. Das Buch kommt sehr langsam in Fahrt und ist dennoch nicht langweilig, manche Dinge brauchen eben ihre Zeit zum sich entwickeln, es hat mich nicht gestört, im Gegenteil, es war sehr passend vom Tempo her.

Die Mutter von Grace ist drogenabhängig und sie kann von ihr nicht entsprechend versorgt werden und so übernehmen das die Nachbarn von Grace – abwechselnd. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass sich Grace und Billy und auch alle anderen in dem Buch weiterentwickeln und so sehr lebendig werden. Natürlich gewinnen alle Grace auch lieb und unterstützen sie rührend in ihrer Entwicklung.

Erster Satz:

„Immer wenn Billy am Nachmittag durch die Glasscheiben seiner Verandatür schaute, sah er, wie sich der hässliche graue Winterhimmel mehr und mehr verdunkelte.“ (Seite 5)

Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch über Nächstenliebe, Freundschaft, Zusammenhalt und Nachbarschaft! Herzerwärmend und liebevoll, jedoch leise im Stil und in der Handlung, aber dennoch sehr lesenswert! Ein toller Schmöker, um so richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen!

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Die Unvollkommenheit der Liebe

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In Elizabeth Strouts neuem Buch „Die Unvollkommenheit der Liebe“ geht es um eine Frau, die trotz aller Steine auf ihrem Lebensweg, ihren Weg geht, es ist eine Geschichte von Müttern und ihren Töchtern und somit eine Geschichte über die Liebe, die wohl nie vollkommen sein kann. Oder doch?

Die Schriftstellerin Lucy Barton lebt in New York und muss nach einem Routineeingriff wegen einer lebensbedrohlichen Infektion unbekannten Ursprungs längere Zeit im Krankenhaus verbringen. Fern von ihren beiden Töchtern und ihrem geliebtem Mann. Sie hat viel Zeit, um über sich und das Leben nachzudenken.

Eines Tages sitzt ihre Mutter, mit der sie seit langem keinen Kontakt hat, neben ihrem Bett, wo sie fünf Tage und Nächte verweilen wird. Seit Lucy ihren Geburtsort in Illinois verlassen hat, hat sie ihre Mutter nicht mehr getroffen. Einerseits freut sie sich auf den Besuch, doch ist ihre Anwesenheit auch ein Wiederbeleben von Lucys Vergangenheit. Die Armut, in der sie aufwuchs, die lieblose Beziehung zu ihren Eltern, all dies drängt sich wieder nach oben. Sie erinnert sich auch an ihren langgehegten Traum, einmal Schriftstellerin zu werden, was sie auch schafft.

„Mom, wenn du einen Roman schreibst, kannst du ihn umschreiben, aber wenn du zwanzig Jahre mit einem Menschen verbringst, dann ist das der Roman, und den schreibst du mit niemandem neu.“ (Seite 200)

Alles was Lucy Barton im Krankenhaus erlebt hat, schreibt sie Jahre später auf, dabei gelangt sie zu der Erkenntnis, dass alle Liebe, so groß sie auch sei und so tief sie auch sei, immer unvollkommen bleibt.

Der erste Satz:

„Vor Jahren, und zwar vor sehr vielen Jahren inzwischen, lag ich einmal fast neun Wochen im Krankenhaus.“

Fazit: Ein leises, doch sehr intensives Buch über die manchmal unerklärlichen Lebenswege von Menschen. Sehr weise, warmherzig und sehr nachdenklich stimmend. Definitiv ein Must-have für Elizabeth-Strout-Fans, nichts für Leser, die mal schnell unterhalten werden wollen und sich nach der Lektüre gut fühlen möchten … Achtung: Das Buch stimmt sehr nachdenklich!!!

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Winston Flash und der Sinn des Lebens

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Rüdiger Schaches neues Buch „Winston Flash und der Sinn des Lebens“ kommt mit einem in fröhlichen Farben gehaltenen Cover daher, auf dem ein fahrendes kleines rotes Auto auf einer Straße unter Bäumen zu sehen ist. In der Geschichte um Winston Flash geht es um einen liebenswerten Sonderling, der schon von Geburt an anders war. Schon in frühen Jahre wollte Winston unbedingt lernen, wie die Gehirne der Menschen um ihn herum funktionieren. Ob das an seinem Vater, einem Psychiater lag ;-)? In seiner Kindheit hatte er einen schweren Unfall und seither befindet er sich in einem Zustand, in dem er alles hinterfragt und ständig darüber nachdenkt, warum jemand nun gerade das gesagt hat. Er lebt in seiner Welt und hat es dort auch nicht einfach. Seine gemachten Beobachtungen notiert er akribisch in sein schwarzes Notizbuch, das er immer bei sich trägt.

„Ich kaufte mir ein schwarzes, in Leder gebundenes Notizbuch, das von einem Gummiband geschlossen gehalten wurde. Es war genauso groß, dass es zusammen mit einem dünnen silbernen Kugelschreiber in die Gesäßtasche meiner Jeans passt. Ich konnte mir nur wenige Berufe vorstellen, in denen man wichtige Dinge in schwarze Notizbücher schreiben musste: Polizisten, Agenten und Privatdetektive. Schatzjäger, Forscher und Genies. Restauranttester und Psychotherapeuten.“ (Seite 14)

Winston studiert nach seinem Schulabschluss Psychologie und lernt während des Studiums seine große Liebe Annie kennen. Annie gibt seinem Leben endlich einen Sinn. Er wird Kinderpsychologe, denn er möchte Kindern rechtzeitig dabei helfen, die Situationen zu verbessern, unter denen er selbst damals als Kind schwer gelitten hat. Später wird er ein erfolgreicher Buchautor, mit drei wunderbare selbst für seine Therapiekinder kreierten Figuren: Das ist zum einen Henry, der mutige, einäugige Piratenhase mit dem schwarzen Kopftuch, dann Lizzie, die vorsichtige Schmuckschildkröte mit den roten Lippen und den langen Wimpern und Professor Baldwin, der kluge blaue Elefant mit der runden Brille und dem schwarzen Doktorhut.

Die drei sind stets in seinem Kopf präsent und sind seine Lebensbegleiter. Eines Tages ändert sich Winstons Leben schicksalshaft durch eine Verkettung höchst schlimmer Ereignisse. Und plötzlich verändert sich alles und er gerät in eine so außergewöhnliche Situation, in dem ihm nur noch acht Minuten bleiben, um herauszufinden, warum er am Leben bleiben möchte …

Erster Satz:

„Ich habe mal gelesen, dass es nach dem letzten Atemzug etwa acht Minuten dauert, bis das Gehirn endgültig abschaltet.“ (Seite 7)

Fazit: Ein traumhaft schönes, humorvolles, weises, zauberhaftes und sehr tiefsinniges Buch, das ich sehr empfehlen kann! Auch zum Verschenken hervorragend geeignet!

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Mein perfektes Jahr

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Heute möchte ich euch ein herzerwärmendes Buch vorstellen. Es heißt „Mein perfektes Jahr“ von Charlotte Lucas.

Die Geschichte: Der Hamburger Verleger Jonathan N. Grief findet am Neujahrsmorgen am Lenker seines Fahrrads einen Filofax-Kalender. Er blickt sich um, doch weit und breit ist niemand zusehen. Jonathan ist ein überaus korrekter Zeitgenosse und so macht er sich auf die Suche nach dem eigentlichen Besitzer des Kalenders.

Parallel lesen wir die Geschichte von Hannah, welche bereits ein paar Monate früher beginnt. Simon – ihr Freund – ist an Krebs erkrankt und möchte das nicht durchstehen müssen, denn schon so seine Mutter hatte diese Krankheit und er kann sich gut vorstellen, was da auf ihn zukommt. Hannah ist das genaue Gegenteil von Simon, sie ist ein sehr optimistischer Mensch und möchte ihren geliebten Simon wieder ins Leben zurückbeamen. Ihre Idee: Sie schreibt ihm einen Kalender und jeder Tag ist ausgefüllt mit Dingen, die Spaß machen wie z. B. Kuchen essen, Lieblingsfilme schauen, eine Kartenlegerin besuchen etc. Doch all ihre Mühe ist vergebens, Simon verschwindet in der Silvesternacht spurlos …

„Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben – aber den Tagen mehr Leben.“ (Chinesische Weisheit, gelesen auf Seite 42)

Die beiden Geschichten verweben sich immer mehr zu einem großen Ganzen, was sehr harmonisch und kunstvoll geschieht, aber mehr möchte ich hier auch nicht verraten. Das Buch ist so schön geschrieben, man kann nicht aufhören, auch wenn es einige traurige Stellen aufbietet. Gespickt ist es mit vielen lebensfrohen Zitaten und Tipps, die Hannah für ihren Simon zusammengestellt hat in dem besagten Filofax.

Der Roman – auf der Suche nach Antworten auf die großen und kleinen Themen und Fragen des Lebens – ist sehr intensiv und wunderschön gestaltet. Der Buchschnitt hat einen kräftigen fliederfarbenen Ton und die Buchecken sind abgerundet, was ich sehr liebe. Das Cover selbst ist sehr schlicht gestaltet, jedoch sind die Buchstaben leicht erhoben, so dass man sie fühlen kann, wenn man darüber streicht.
Fazit: Ein zauberhaftes, herzerwärmendes Buch, feinsinnig, humorvoll, zart und nachdenklich. Hier und da musste ich mir ein paar Tränchen wegwischen, so berührend ist die Geschichte. Ein Buch, dass dem Leser sehr viel gibt und ihn auch nachdenklich zurücklässt. Genießt euer Leben, ihr habt nur das eine, nehmt euch auch mal Zeit für euch und macht Dinge, die euch Freude bereiten und euch glücklich wie die Kinder machen ;-)! Ein tolles Weihnachtsgeschenk für sensible, liebevolle Menschen

 

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Lebensgeister

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In Banana Yoshimotos neuem Buch „Lebensgeister“ überlebt die Protagonistin Sayoko, eine dreißigjährige Kunstkuratorin,  nur knapp einen schweren Unfall, beim dem ihr Verlobter Yoichi  stirbt.

Sayoko und ihr Freund Yôichi sind nach dem Ausflug in ein heißes Quellenbad auf der Heimfahrt, als ein Auto von der Gegenfahrbahn abkommt und auf sie zurast. Yôichi kommt ums Leben, Sayoko wird schwer verletzt.

Seit diesem Unfall ist sie nicht mehr sie selbst. Zwar kann sie ihre Trauer lindern, indem sie sich um Yôichis Kunstwerke in seinem Atelier in Kyoto kümmert. Doch sie lebt seitdem in einer merkwürdigen Zwischenwelt. Abends geht sie in eine Bar, um zu trinken. Barkeeper Shingaki, der sich zu ihr hingezogen fühlt, passt auf sie auf.

Und plötzlich bemerkt sie, dass sie sehen kann, was andere nicht sehen: die Geister von Verstorbenen. Sie macht die Bekanntschaft von Ataru, der ebenfalls mit seiner Trauer beschäftigt ist. Und in der wunderschönen Tempelstadt Kyoto lernt sie allmählich, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist: voller Ungewissheiten und Rätsel, dem Tod immer nahe, egal, ob man jung ist oder alt.

Es ist ein ruhige Geschichte, die Banana Yoshimoto da gezaubert hat, eine Ruhe, in der Sayoko nach dem Unfall eintaucht.

„Dass Leben und Tod im selben Raum beieinander wohnen, dass nur ein Haar sie voneinander trennt – daran hatte ich nie gedacht, damals.“ (Seite 18)

Die philosophisch anmutende und sehr leise Erzählung spiegelt auf zarte und sehr einfühlende Weise die Trauer Sayokos wieder. Und so wächst Sayoko während der Geschichte an ihrer Trauer und wagt einen Neuanfang  …

„Es gibt viele Menschen, die sich nach einer radikalen Änderung sehnen, aber nur wenige, die ihr wahres Wesen begreifen. Bei mir war es auch so.“ (Seite 86)

Fazit: Ein stilles, leises, zartes und sehr philosophisches Buch über das Gehen, um Verluste, um einschneidende Lebensereignisse. Sehr ruhig und unspektakulär doch dadurch nicht minder fesselnd geschrieben. Ein großartiges, schlichtes und sehr einfühlsames Novemberbuch!

 

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Die Spuren meiner Mutter

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In „Die Spuren meiner Mutter“ erzählt Bestseller-Autorin Jodi Picoult die Geschichte der 13-jährigen Jenna Metcalf.

Als diese drei Jahre alt war, verschwand ihre Mutter Alice Metcalf spurlos aus dem Krankhaus, in das sie nach einem Unglück im Elefantenreservat von New Hampshire eingeliefert wurde. Alice wurde verletzt und ihre Kollegin starb.

Mittlereweile sind zehn Jahre vergangen und Jenna will ihre Mutter wiederfinden. Dabei klammert sie sich an jede Spur, auf die sie trifft. Doch bisher war alles nicht sonderlich erfolgreich und so sucht sie di früher berühmte Wahrsagerin Serenity auf, deren Spezialgebiet damals Vermisstenfälle waren, bei der sie sogar die Polizei unterstützt hat.

Doch Serenity hat scheinbar ihre Fähigkeiten, ihre Verbindung zum Jenseits,  verloren. Dennoch kann Jenna sie überzeugen, ihr bei der Suche nach ihrer Mutter zu helfen. Gleichzeitig beauftragt Jenna den früheren Polizeibeamten Virgil, der jetzt als Privtdetektiv tätig ist. Gemeinsam machen sich die drei auf die Suche nach Jennas Mutter und versuchen, Licht in die geheimnisvolle Geschichte längst vergangener Zeiten zu bringen.

Erster Satz:

„Früher glaubte man an die Existenz eines Elefantenfriedhofs – eines Orts, den kranke und alte Elefanten aufsuchten, um dort zu sterben.“ (Seite 9)

Im Buch erfährt man als Leser auch sehr viel über Elefanten, was mir sehr gut gefallen hat. Jodi Picoult schreibt sehr gefühlvoll, ihre intensive Geschichte ist sehr spannend und dennoch sehr zart und liebenswert.

Ein Satz der mich sehr berührt hat:

„Man sagt, Menschen, die mit Tieren arbeiten, tun dies, weil sie mit anderen Menschen nicht gut zurechtkommen.[…] Ich arbeite mit Elefanten, weil es ist, als würde man Menschen in einem Café beobachten“, erklärte ich Thomas. „Sie sind lustig. Herzzerreißend. Einfallsreich. Intelligent. Mein Gott, ich könnte noch viel mehr über sie sagen. In ihnen steckt einfach so viel von uns.“ (Seite 220)

Jodi Picoult erzählt die Geschichte von Jenna und ihrer Mutter Alice aus unterschiedlichen Perspektiven, mal erzählt Alice, dann Jenna, Serenity, Virgil. Und Jodi Picoult hat es geschafft, mich auf den letzten 100 Seiten absolut zu überraschen, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Schon aus diesem Grund lohnt es sich sehr, das Buch zu lesen ;-).

„Wenn man an jemanden denkt, den man geliebt und verloren hat, ist man schon bei ihm. Alles andere sind Kleinigkeiten.“ (Seite 502)

Fazit: „Die Spuren meiner Mutter“ ist ein fesselndes, sehr unterhaltsames, eindrucksvolles, gefühlvolles und äußerst liebenswertes Buch. Ein unverzichtbarer, spannender und intelligenter Schmöker für herrliche Herbstabende bei Kerzenschein und Tee ;-)! Also unbedingt lesen und zahlreich verschenken ;-)!

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City on Fire

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Garth Risk Hallberg beschreibt in seinem famosen Buch „City on Fire“ Momentaufnahmen von fünf Menschen in New York im Jahr 1977. Ein Schneesturm tobt über New York, die Feuerwerke erhellen die Metropole und im Central Park fallen Schüsse – dies alles geschieht in der Neujahrsnacht des Jahres 1977. Diese Ereignisse bringen die reichen Erben William und Regan Hamilton Sweeney, die aus der Vorstadt stammenden Punk-Kids Sam und Charlie, den afroamerikanischen Lehrer Mercer, der seit längerem versucht seinen ersten großen Roman zu schreiben, sowie den Reporter Richard und den älteren Polizisten Larry zusammen.

Der erste Satz im Prolog:

„In New York kann man sich alles bringen lassen.“

Und im ersten Teil des Buches, dass die Zeit von Dezember 1976-Januar 1977 abdeckt,  lautet der erste Satz:

„Ein Weihnachtsbaum kam die Eleventh Avenue herauf.“

Aufhänger der Geschichte sind die Schüsse auf eine junge Frau sind, dennoch der Debütroman City on Fire von Garth Risk Hallberg kein Krimi oder Thriller. Die beschriebenen Menschen  in dem Buch scheinen in irgendeiner Art und Weise mit der jungen Frau bekannt zu sein und alles scheint irgendwie eine Rolle zu spielen. Die Figuren stammen allesamt aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, sie haben alle Träume, sie haben alle eine eigene Geschichte. Wie Charlie, der aus der Vorstadt stammt und dort behütet aufwächst, bis er ein Mädchen namens Sam kennenlernt und durch sie in Kontakt zur Punkszene kommt. Sam – die eigentlich Samantha heißt, studiert Photographie und ist Herausgeberin eines Magazins, das Punks und Musik zum Thema hat. Im Buch findet sich – was ich wundervoll fand – ein Abdruck dieses Magazins. Es finden sich weitere Grafiken im Buch, die jeweils zu den Stellen des Buches passen und sehr hochwertig und ansprechend gestaltet sind – sehr toll!

Dann gibt es noch die beiden reichen Erben William und Regan. William lebt mit seinem Freund Mercer zusammen. In vergangenen Zeiten war er Mitglied einer Punkband namens Ex Post Facto, die von den beiden oben genannten Personen Sam und Charlie sehr bewundert wird. So hängt alles irgendwie miteinander … Der Roman ist wie ein Spinnennetz, je mehr man liest umso mehr sieht man wie alles zusammenhängt, miteinander verwebt ist. Sehr gut gefallen haben mir auch die vielen Exkurse in die Musik-, Kunst- und Literaturgeschichte – der Autor scheint ein belesener und sehr interessierter Mensch zu sein.

Die zahlreichen Rückblenden im Leben der Personen des Buches helfen, die Entwicklung derer zu verstehen. Es blieb keine Frage offen und die Geschichte und die Personen sind so geschickt miteinander verknüpft, dass es nie langweilig, das Buch zu lesen. Er erzählt auch nicht chronologisch, so dass die Geschichte nie vorhersehbar ist, sondern auch mit einigen Überraschungen aufwartet – supergenial!

Fazit: Ein 1000 Seiten starker Wälzer, der sich lohnt! Auch wenn es am Anfang etwas zäh ist, lohnt sich das dranbleiben an der Geschichte. Lasst euch auch nicht von den vielen Protagonisten und deren Schicksal entmutigen oder verunsichern. Es ist ein Buch, das langsam kommt, aber dann geballt wie ein Feuerball das Interesse in Brand setzt – ich war on fire – total! Auch lohnenswert: Die vielen genialen Beschreibungen der Metropole New York! Im Buch liegt auch ein Lesezeichen, auf dem die verschiedenen Personen aufgeführt sind, damit man nicht den Überblick verliert – traumhaft!

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Als Heminway mich liebte

51Ym2JMui2LSchon alleine des Covers wegen sollte man das Buch kaufen ;-): Passend – und auch zum Abschluss meiner blauen Woche hier bei den famosen Buchnotizen – möchte ich euch den fabelhaften Roman „Als Hemingway mich liebte“ von Naomi Wood über Ernest Hemingway und seine Frauen vorstellen. Mit dabei sind die aktuelle Mrs. Hemingway sowie drei der verflossenen Ehefrauen. Aus deren Sicht wird auch die Geschichte erzählt. Die vielen Rückblenden nach vorne und hinten stören nicht und das Buch ist so herrlich leicht wie eine Cocktailparty im Garten. Ernest Hemingwy fährt 1926 mit seiner damaligen Frau Hadley nach Südfrankreich, um den Sommer zu genießen. Spannende Einsichten in die Boheme-Kreis der 20er/30er-Jahre, historisch faszinierend, atmosphärisch dicht und beschwingt.

Es geht um das Eheglück mit einem berühmten Schriftsteller, das keines ist, denn wer kann schon glücklich sein mit einem Mann, der ein so aufgeblähtes Ego hat wie Ernest Hemingway? Er trinkt, liebt Abenteuer und Stierkämpfe.

Die Autorin kann aus einer Fülle von Quellen und Sekundärliteratur über Ernest Hemingway schöpfen und das tut sie wunderbar, ehrlich und authentisch. Wir lesen über die Hemingways unerfüllte Liebe zu einer Krankenschwester namens Agnes von Kurowsky oder wie die arme Hadley einmal einen Koffer voller Manuskripte Hemingways in einem Zugabteil vergessen hat.

Natürlich kann es hier kein Happy End geben, denn in am Morgen des 2. Juli 1961 erschießt sich Ernest Hemingway, zerrüttet von Depressionen und Alkohol.

Fazit: Ein sehr informativer, durchaus lesenswerter Roman über eine Legende unter den Schriftstellern. Interessant auch deshalb, weil Naomi Woods respektvoll schreibt und dennoch kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um den Mythos Ernest Hemingway geht! Geheimtipp!

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Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

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Benedict Wells hat mit seinem neuen Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ ein sehr berührendes Buch geschrieben.

Wie gewohnt beim Diogenes Verlag ziert ein bekanntes Bild das Cover. Hier: „Jeanne Moreau and Francois Triffaut – The Bride Wore Black“ von Elizabeth Peyton. Alleine das ist schon Zeichen eines traurigen Buches, welche Braut trägt denn gerne schwarz?

Und so beginnt das Buch auch mit dem Erwachen des 41 Jahre alten Protagonisten Jules aus dem Koma nach einem Motorradunfall. Subtil zwischen den Zeilen liest sich eine mögliche Suizidabsicht.

Der Leser geht mit ihm in gedanklichen Rückblenden zunächst zu seiner unbeschwerten Kindheit mit seinen älteren Geschwistern Liz und Marty zurück. Diese endet jedoch sehr abrupt mit einem tödlichen Autounfall der Eltern.

Der erste Satz:

„Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.“

Die Kinder kommen in ein Internat und entfremden sich zusehends. Jules wird dort zum einsamen Außenseiter, der in einem Mädchen namens Alva seine beste Freundin fürs Leben findet. Jules, der vor dem schrecklichen Unfall ein sehr abenteuerlustiges Kind war, wird zunehmend schweigsamer und einsamer. Er fragt sich ständig, wie sein Leben verlaufen wäre, ohne dieses schreckliche Erlebnis des Verlustes seiner Eltern.

Jules beginnt nach seinem Abitur ein Jurastudium, obwohl er viel lieber Fotograf werden möchte.  Seine Unentschlossenheit spiegelt seine haltlosen Wurzeln aus Kindheitstage. ER wirkt wie ein ankerloses Schiff, dass immer auf der Suche nach neuem Halt, neuen Wurzeln ist, sie aber nie wirklich finden kann. Seine Schwester Liz schwebt immer am Abgrund, ihr Leben wird bestimmt durch Drogen, Alkohol und wechselnde Liebschaften.  Nur Marty gelingt es ein geregeltes Leben zu führen. Die Geschwister gehen völlig getrennte Wege, aber in Krisensituationen stehen sie füreinander ein. Benedikt Wells nimmt uns mit auf den Lebensweg der drei unterschiedlichen Geschwister, die das Trauma ihrer Kindheit nie richtig überwunden haben und läßt uns sehr intensiv teilhaben an den Nöten, Kummer und Hoffnungen der drei.  

Doch dann trifft Jules viele Jahre nach Beendigung der Schule seine Freundin Alva wieder … Und so beginnt für ihn die Reise in die Vergangenheit erneut …
Benedict Wells gelingt es meiner Meinung nach sehr gut sich in ein Kind hineinzuversetzen, dass nach dem Verlust der Eltern wieder ins Leben zurückfindet. Die im Buch bestimmenden Themen sind Trauer, Glück und Einsamkeit, was sehr zum Nachdenken anregt.  Es ist ein sehr melancholisches Buch voller intensiver Emotionen, die sehr zu Herzen gehen. Ein Buch, dass zu Tränen rührt, und doch so intensiv, klug und zauberhaft ist, dass man es dennoch gerne liest. Eine absolute Lese-Empfehlung von mir!

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Unorthodox

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Was für ein intensives, erschütterndes und gleichzeitig triumphales Buch hat Deborah Feldman da mit ihrem autobiographischen Debütroman „Unorthodox“ geschrieben!

Ich bin ja immer skeptisch, wenn auf einem Buchcover „Der New York Times Millionen-Bestseller“ geschrieben steht. Dann ist das meist kein Buch für mich! Dennoch habe ich mir da so eine gewisse neutrale Neugier beibehalten, was „Bestseller“ sind, zumal das Wort ja offenbart, dass es sich um die meistverkauften Bücher, jedoch nicht unbedingt meistgelesenen Bücher handelt. Egal, zum Glück habe ich mich davon nicht abschrecken lassen, sondern konnte mich unaufgeregt diesem hochemotionalen Buch widmen.

Und so las ich den ersten Satz von „Unorthodox“: 

„Mein Vater hält meine Hand, als er mit dem Schlüssel zum Warenhaus hantiert.“

Deborah Feldman schreibt in „Unorthodox“ über ihr orthodoxes Leben in einer strengen und sehr in sich lebenden jüdischen Gemeinde in Williamsburg, Brooklyn. Sie schreibt über ihre Befreiung aus einem ultraorthodoxen, streng limitierten Leben, ausgehend von ihren frühen Kindheitserfahrungen, wo sie ohne Mutter aufgewachsen ist, bei ihren Großeltern. Der Vater schaut dann und wann vorbei, ist aber auch nicht wirklich präsent. Die kleine Deborah ist stets auf der Suche nach mehr als diesem beengten, strengen Leben. Heimlich liest sie Bücher, die sie nicht besitzen darf. Sie besucht eine jüdische strenge Schule und wird dann selbst Lehrerin dort. Dann wird sie verheiratet und was ich da gelesen habe, fand ich echt erschreckend, dass es das in der Neuzeit noch gibt. Sie bekommt ihren Sohn und bildet sich weiter, dort trifft sie Menschen, die ihr ein Leben in Freiheit aufzeigen und sie wagt es, aus ihrem begrenzten Leben auszubrechen und mit ihrem Sohn ein neues Leben zu beginnen. 

„Was für eine Welt in der wir nur Belanglosigkeiten wie einen zu kurzen Rock bestrafen, aber Stillschweigen bewahren, wenn einer die Zehn Gebote bricht?“ 

Was bedeutet denn nun „ultraorthodox“. Wir allen kennen doch die jüdischen Männer mit ihren Stirnlocken … Doch das chassidische Judentum, das aus jüdischen Sekten und all den Strömungen, die nach dem Holocaust in Osteuropa entstanden ist, ist weitgehend eine weitgehend unbekannte Welt. Deborah Feldman bietet hier intensive, interessante Einblicke in eine Welt der Strenge, der Regeln, der Doppelmoral und der absoluten Unfreiheit von Menschen. 

Fazit: Das Buch ist sehr intensiv, aber auch sehr interessant geschrieben. Deborah Feldmans Befreiung aus der streng religiösen „Sekte“ und hin zu einem Leben in Freiheit mit ihrem Sohn ist sehr lebensnah und klug. Eine sehr anspruchsvolle, aber auch sehr empfehlenswerte Lektüre! Unbedingt lesen!

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